POLITIK
Die politische Abteilung hat die Aufgabe, die politischen Entwicklungen in Deutschland zu beobachten und zu analysieren, die Entscheidungsgremien im Iran darüber zu unterrichten, zur Vertiefung der gegenseitigen Kenntnisse beizutragen und die bilateralen Beziehungen auszubauen. Die Mitarbeiter dieser Abteilung informieren Sie über die letzten Entwicklungen der bilateralen Beziehungen sowie über die Meinungen und Standpunkte der Repräsentanten des Landes zu den Fragen der Außenpolitik der Islamischen Republik Iran.
Die deutsch-iranischen diplomatischen Beziehungen vor der Islamischen Revolution:
Die erste diplomatische Kontaktaufnahme zwischen Iran und Deutschland wurde am 20. Oktober 1600 eingeleitet, als der safawidische König Schah Abbas I. eine Delegation in das Heilige Römische Reich Deutscher Nation an den Hof Rudolph II. entsandte. Dieser Besuch wurde mit der Entsendung einer Gesandtschaft an den Safawidenhof erwidert. Am 25. Juni 1857 wurde das erste bilaterale Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsabkommen von den Vertretern des Kadjaren-Königs Nasraddin-Schah und des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm in Paris unterzeichnet. Bei dem Treffen von Nasraddin Schah mit Wilhelm I. und Bismarck in Berlin im Jahre 1873 erreichten die bilateralen Beziehungen eine neue höhere Stufe. Die diplomatische Beziehung zwischen Berlin und Teheran wurde im Jahre 1885 auf Botschafterebene aufgenommen. Ernst von Braunschweig war der erste Botschafter Deutschlands in Iran, und Mirza Reza Khan Geranmayeh (Moayyedossaltaneh) der erste Gesandte Irans in Berlin.

Die Beziehungen, die sich auch während des 1. Weltkrieges weiterentwickelten, wurden während des 2. Weltkrieges nach der Besetzung Irans durch die Alliierten im Jahre 1943 unterbrochen, als Iran gezwungen wurde, dem Nazi-Deutschland den Krieg zu erklären.

Im April 1946 wurde der iranische Gesandte in Paris bei der Alliierten Hohen Kommission in Stuttgart akkreditiert. Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949 wurden die deutsch-iranischen diplomatischen Beziehungen im Juli 1951 wieder hergestellt, so dass die Iranische Botschaft ihre Arbeit in Köln aufnehmen konnte. Im Jahre 1973 wurde die Iranische Botschaft nach Bonn verlegt. Die bilateralen Beziehungen wurden bis zum Jahre 1979 weitgehend ausgebaut, so dass Deutschland seine Stellung als ersten iranischen Handelspartner erhalten konnte.
Die deutsch-iranischen diplomatischen Beziehungen nach der Islamischen Revolution:
Die guten politischen und wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder setzten sich auch nach der Islamischen Revolution fort. 1984 wurde eine weitere konsularische Vertretung in Frankfurt eröffnet, obwohl bereits konsularische Vertretungen in Hamburg, München und West-Berlin bestanden.

In den Jahren 1984, 88 und 91 besuchte Außenminister Genscher die Islamische Republik Iran. Seine Besuche wurden vom iranischen Außenminister Dr. Ali Akbar Velayati in den Jahren 1985 und 1992 offiziell erwidert.

Nach der Wahl von Herrn Khatami am 23. Mai 1997 zum Präsidenten der Islamischen Republik Iran und von Herrn Gerhard Schröder zum Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland im September 1998 begann eine neue Etappe der bilateralen Beziehungen, die seit einigen Jahren davor wegen einiger politischer Schwierigkeiten nicht spannungsfrei waren.

1999 besuchte der damalige Chef des Bundeskanzleramtes, Staatsminister Bodo Hombach, die Islamische Republik Iran, und im März des darauffolgenden Jahres reiste Bundesaußenminister Joschka Fischer nach Teheran.

Präsident Khatami kam Juli 2000 zu einem Staatsbesuch in die Bundesrepublik Deutschland. Während dieses Besuches weihte er zusammen mit Bundespräsident Johannes Rau das Hafis-Goethe-Denkmal in Weimar ein.

Im vergangenen Jahr besuchten Bundesarbeitsminister Riester und Bundeswirtschaftsminister Müller die Islamische Republik, und im Februar diesen Jahres reiste Bundestagspräsident Wolfgang Thierse in den Iran. Diese Reisen trugen mehr denn je zum Ausbau der bilateralen Beziehungen bei.

Es folgten die Gegenbesuche des iranischen Außenministers Dr. Kamal Kharrazi im Februar 2001 und des Wirtschafts- und Finanzministers Dr. Namazi im April 2001 anlässlich der Einberufung der Sitzung der gemischten Wirtschaftskommission beider Länder nach einer zehnjährigen Unterbrechung.

Nach den Ereignissen vom 11. September und deren unverzügliche Verurteilung durch den Präsidenten der Islamischen Republik Iran rief Bundeskanzler Gerhard Schröder am 29. September Präsident Khatami an, dankte ihm für die Stellungnahme der Islamischen Republik Iran und besprach mit ihm die bilateralen Beziehungen und internationalen Fragen.

Seit Beginn des iranischen Jahres 1380 /= 21. März 2001/ haben der Außenminister der Islamischen Republik Iran und der Bundesaußenminister fünf Mal miteinander telefoniert, um Fragen der bilateralen Beziehungen, der Situation im Nahen Osten, der Krise durch die Terrorakte in den USA und von Afghanistan zu besprechen. Darüber hinaus fand ein reger Schriftwechsel zwischen den beiden Ministern über bilaterale Fragen und regionale und internationale Entwicklungen statt.

Das iranische Jahr 1380 /= 21. März 2001 – 20. März 2002/ war ein Jahr reger diplomatischer Aktivitäten, insbesondere in Bezug auf die Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland. Die Außenminister beider Länder trafen sich vier Mal: in Teheran, New York, Istanbul und Berlin. Der Besuch des iranischen Außenministers in Berlin im Februar 2002 war bereits der zweite offizielle Besuch innerhalb eines Jahres.

Bundesfinanzminister Eichel besuchte vom 8. – 9. März 2002 die iranische Hauptstadt Teheran und der iranische Minister für Arbeit und Soziales die Hauptstadt Berlin. In diesen Zeitraum fällt ebenfalls die zweite Reise von Hans-Ullrich Klose, dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, nach Teheran an der Spitze einer parlamentarischen Delegation.

Die Vortragsreise von Frau Dr. Ebtekar, Vize-Präsidentin der Islamischen Republik Iran und Präsidentin der iranischen Umweltorganisation, nach Berlin sowie der Besuch von Herrn Jahangiri, Minister für Industrie und Bergbau der Islamischen Republik, in Deutschland zu Wirtschaftsgesprächen und Vertragsabschlüssen, fallen ebenfalls in diesen Zeitraum.